Das Fehlen von Regisseurinnen bei den Oscars: Wieso Hollywood noch eine Menge zu lernen hat…

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Jedes Jahr führen wir ein ähnliches Gespräch. Und für Frauen in Hollywood ist der Wandel sehr langsam und der Fortschritt hart. Es ist kein Geheimnis, dass es immer noch eine gewaltige Kluft zwischen der Zahl der männlichen und der Zahl der weiblichen Filmemacher gibt, aber was noch frustrierender ist, sind die fehlenden Nominierungen von Regisseurinnen. Obwohl weibliche Filmheldinnen und Regisseurinnen 2019 an Bedeutung gewannen, werden sie trotzdem noch wie eine Minderheit behandelt. Während das letzte Jahr definitiv gezeigt hat, dass spannende frauenzentrierte und von Frauen gemachte Filme gefragt sind, haben die Leute, die in der Branche etwas zu sagen haben und die Regeln festlegen sich nicht gerührt und die Emanzipation hat einen Schritt zurück gemacht.

race_collage_publicity_stills_-_h_2019_Von Little Women bis Bombshell: Filme mit Frauen in der Hauptrolle waren 2019 mehr gefragt denn je…

Apropos… nehmen wir zum Beispie zwei aktuell starke weibliche Figuren. Charaktere wie Carol Danvers in „Captain Marvel“ oder Elsa aus „Die Eiskönigin“ sind für junge Mädchen auf der ganzen Welt äußerst relevant, denn sie sind diejenigen, an denen sich die neue Generation festhalten und zu denen sie aufschauen kann. Feminismus ist heutzutage ein großer Teil des Weges zur unabhängigen Frau, aber er hilft nicht, wenn die Bedeutung dahinter ignoriert und übersehen wird. Was müssen Frauen tun, um von ihren Kollegen und Arbeitgebern ernst genommen zu werden? Vor allem nachdem ihre Filme an den Kinokassen sehr gut abgeschnitten haben? Zwei der 10 umsatzstärksten Filme des Jahres 2019 wurden von Frauen mitinszeniert, „Die Eiskönigin 2“ und „Captain Marvel“, genau die Filme, die in der Popkultur eine wichtige Bedeutung haben. Und auch Filme, bei denen ausschließlich Frauen Regie führen, wie „Little Women“ und „Hustlers“, hatten starke Kassenerfolge, was bedeutet, dass das Publikum genau das sehen will.

Aber dennoch: Filme von Frauen mit Frauen in den Hauptrollen werden nicht im gleichen Maße geschätzt wie ähnliche Geschichten über Männer. Der Filmgeschmack bleibt subjektiv und unsere Gesellschaft vielfältig, weshalb derzeit nur zwei Möglichkeiten das Problem lösen könnten: Entweder reformieren die Oscars die Zugangsbarrieren in bestimmten Bereichen. Oder Regisseurinnen werden von der Filmförderung ebenso gut berücksichtigt und erhöhen damit ihre Chancen, einen zweiten Film zu machen.

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Alle Frauen die jemals in der Kategorie „Bester Regisseur“ nominiert waren: Lina Wertmüller, Jane Campion, Sofia Coppola, Kathryn Bigelow und Greta Gerwig

Und es ist die Pflicht der Oscars, endlich das Geschlechterproblem aufzugreifen und Regisseurinnen die Anerkennung zu geben, die sie verdienen. Oscar-Nominierungen für solche Filme wären nicht nur deshalb unerlässlich, weil damit die gesamte Zielgruppen-Landschaft viel realitätsnäher abgebildet würde. Nominierungen sind auch ein ständiger Ansporn für neue Filme dieser Art. Es ist ja nicht so, dass Filme mit weiblicher Regie nicht gut genug wären, um überhaupt für Kategorien wie „Bester Film“, „Beste Regie“ oder „Bestes Drehbuch“ in Frage zu kommen, die Akademy scheint wohl zu faul zu sein, das Problem zu lösen, und ist immer noch an alten Prinzipien hängen geblieben. Diese Beobachtung, die unweigerlich nach der Bekanntgabe der diesjährigen Oscar-Nominierungen Anfang Januar 2020 aufkam. Nicht eine einzige Frau wurde in der Kategorie „Beste Regie“ nominiert. Dies veranlasste die afro-amerikanische Schauspielerin Issa Rae, die die Nominierungen bekannt gab, zu sagen: „Herzlichen Glückwunsch an all diese Männer“.

Die Filmindustrie war schon immer unglaublich voreingenommen in Bezug auf das Geschlecht – wie auch auf andere soziale Faktoren. In diesem Jahr stellten Frauen bei den diesjährigen Oscar-Verleihungen 25 % der Nominierungen in nicht geschlechtsspezifischen Kategorien, was zwar ein kleiner Anstieg gegenüber dem letzten Jahr ist, aber immer noch nicht ausreicht. Nur fünf Frauen wurden für die beste Direktorin nominiert, wobei die erste, Lina Wertmüller, 1977 nominiert wurde. Die einzige Frau, die den Preis je gewonnen hat, ist Kathryn Bigelow für „The Hurt Locker“ im Jahr 2010. Zwischen dem Mangel an Nominierungen für Filmemacherinnen, schlecht geschriebenen und kleinen Dialogrollen für Schauspielerinnen und dem schlechten Verhältnis (5:1) von Männern zu Frauen, die im Film arbeiten, kann es schwierig sein, sich als Frau in der Branche einen Platz zu erobern. Bedeutet das, dass es keine guten Rollen für Frauen gibt? Nicht immer. Und 2019 hat genau das bewiesen.

Aber die Brüskierung ist besonders eklatant in einem Jahr, in dem Frauen die Top-10-Listen und das Preisverleihungsgespräch dominierten. Greta Gerwigs „Little Women“, Lulu Wangs „The Farewell“, Lorene Scafarias „Hustlers“, Céline Sciammas „Portrait einer jungen Frau in Flammen“, Alma Har’el „Honey Boy“, Melina Matsoukas „Queen & Slim“, Marielle Hellers „Der wunderbare Mr. Rogers“ und Joanna Hoggs „The Souvenir“, um nur einige zu nennen, gehörten durchweg zu den von der Kritik am meisten gefeierten Filmen des Jahres. Nach dem, was man als „Bannerjahr“ für Frauen im Film bezeichnet hat, ist es wie ein Schlag ins Gesicht, dass niemand die Lektion zu lernen schien. Der Grundgedanke, den Hollywood hatte, war, dass man früher glaubte, dass sich Filme mit starken weiblichen Hauptrollen nicht verkaufen. Aber nach zwanzig Jahren im neuen Jahrhundert lässt sich nicht leugnen, dass das Publikum sich nach Filmen mit starken Frauen sehnt, die von keinem Mann gerettet werden müssen. Die Welt verändert sich. Und die Industrie braucht das auch. Die Ergebnisse scheinen zu zeigen, dass diese breitere öffentliche Erregung zu substanziellen Veränderungen geführt hat. Und die Oscars helfen nicht gerade dabei, sich zurückzuziehen, indem sie diejenigen, die ein Zeichen gesetzt hätten, völlig ausschließen.

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Kathryn Bigelow (“The Hurt Locker”) ist die einzige Frau, die jemals „Bester Regisseur“ gewann

In den letzten Jahren hat die Akademy versucht, auf Bewegungen wie #OscarsSoWhite und #TimesUp zu reagieren. Seit 2017 hat die Organisation 2000 neue Mitglieder aufgenommen, um die Vielfalt in den eigenen Reihen zu stärken. Es gibt immer noch viel Raum für Verbesserungen, aber dennoch erreichten die Filme im Jahr 2019, in denen weibliche Protagonistinnen zu sehen waren, einen historischen Höchststand von 40%, so die Studie, verglichen mit 31% im Jahr 2018. Der Anteil der Männer an den Protagonisten betrug 43% und der Anteil der Ensembles 17%. Sicherlich machen einzigartige Hindernisse bei der Finanzierung und dem Vertrieb den Weg vom Kopf des Filmemachers zu Ihren Augen für Frauen schwieriger als für ihre männlichen Kollegen. Aber dank der Streaming-Plattformen, die in unterschiedliche Stimmen investieren, und einer allgemeinen kulturellen Verschiebung hin zu Geschichten, die die unterschiedlichen Erfahrungen der Zuschauer widerspiegeln, gibt es auch mehr hervorragende Filme von Frauen als je zuvor. Aber die Frage, die sich immer noch stellt, nachdem wir gesehen haben, dass wieder einmal keine Regisseurinnen in einem Jahr nominiert wurden, in dem einige der von der Kritik am meisten gelobten Filme von ihnen gemacht wurden, lautet: „Was müssen Frauen tun, um von Hollywood und der Akademy anerkannt zu werden?“ Es war in den vergangenen Jahren nicht leicht für Frauen in Hollywood, und deshalb ist es bedauerlich, weibliche Kreative völlig auszuschließen und mit den Worten zu rechtfertigen, dass es einfach noch keinen guten Film gegeben hat. Das ist eine völlige Unwahrheit. Und jeder, der im letzten Jahr ins Kino gegangen ist, würde zustimmen, dass es genügend Möglichkeiten gab, zumindest für eine Regisseurin Platz zu schaffen.

Aber die Hoffnung ist nicht verloren. Es ist noch Zeit, sich zu ändern und die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen. Leider wird die Chance dieses Mal verpasst. 2019 wäre das perfekte Jahr gewesen, um mindestens einer Frau die Chance auf eine goldene Statue zu geben. Um ein Zeichen zu setzen und für ein gleichberechtigtes und faires Umfeld in der Filmindustrie zu werben.

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